Sonntag, 22. September 2013 @ 06:55
2.) Bei all der berechtigten Kritik an autoritären Regimen, die mit der Bezeichnung Kommunismus in Verbindung gebracht werden, sollte nicht vergessen werden, dass die sogenannte „Freie Welt“ in vielen Punkten auch nicht moralischer gehandelt hat als die vom Westen verteufelten autoritären Regime, die das Prädikat „Kommunistisch“ nun wahrlich nicht verdienen. Wie gerade jüngst der Welt vor Augen geführt wurde, steht der Westen, was Überwachung betrifft, der Stasi um nichts nach. Und wenn – pünktlich vor Wahlen – Dokumentationen über die Berliner Mauer und den Eisernen Vorhang Hochkonjunktur haben, so wird dabei nur zu gern vergessen, dass die Festung Europa immer undurchdringlicher wird, dass es gerade die Staaten Österreich und Deutschland sind, die Asylsuchende ohne mit der Wimper zu zucken abschieben. Zudem hat der Fall des Eisernen Vorhangs nun auch den ehemaligen Ostblockstaaten die „Segnungen des freien Marktes“ gebracht. Die Begeisterung der betroffenen Bevölkerung darüber hält sich in Grenzen. Wenn man nach Lateinamerika blickt, so steht dort der Begriff „Kommunismus“ und „Sozialismus“ für Selbstbestimmung und Würde der Menschen, die dort leben. Bei allen ökonomischen Schwierigkeiten gibt es in Kuba eine kostenlose Gesundheitsversorgung für alle und kostenlose Bildung. Auch in anderen Ländern auf dem lateinamerikanischen Kontinent werden Erfahrungen gemacht, und experimentiert, wie die Gesellschaft so geordnet werden kann, dass der Mensch und dessen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen, unabhängig, ob es jetzt die sozialen Bewegungen in Brasilen, der bolivarische Prozess in Venezuela oder EZLN in Chiapas sind. Doch derartige Bewegungen gibt es auf dem ganzen Globus nicht nur dort. Auch im Norden gibt es vergesellschaftete Betriebe, Genossenschaften, soziale Bewegungen wie die Occupy-Bewegung, die Friedensbewegungen und vieles mehr. Als KommunistInnen sind wir nicht „die Linke“ sondern ein Teil davon. Wir sind ein Teil, der die herrschenden Verhältnisse radikal hinterfragt. So ist die Gesellschaftsform, die wir wollen in Bezug auf die Eigentumsfrage kommunistisch, in Bezug auf die Machtfrage anarchisch, aus der Geschlechterperspektive matriarchal. Wir führen jedenfalls ein Wesensmerkmal, das diese andere Gesellschaftsform hat, sprichwörtlich im Schilde.
3.) Bei einigen antikommunistischen Ausfällen geht es nicht um die Fehler des realexistierenden Sozialismus. Hier wird versucht einen zutiefst humanistischen Gesellschaftsentwurf zu diskreditieren. Doch auch in Lügen steckt ein Funke Wahrheit. Wenn die Marktradikalen in den USA einer allgemeine Krankenversicherung als „sozialistisch“ bezeichnen, so haben sie recht. Wenn der Landesschulratspräsident sagt, eine Gesamtschule sei vom Konzept her „marxistisch“, so ist ihm eigentlich zuzustimmen. Und wenn Rudi Federspiel der mittlerweile in die Arme der FPÖ zurückgekehrt ist, sagt, dass die Einführung von Mietzinsobergrenzen für alle Wohnungen „Kommunismus“ wäre, dann wäre es eigentlich an der Zeit ihm zu zeigen, dass ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung kein Problem mit dieser Art von Kommunismus hätte.
Daher sind wir auch durchaus so stolz, diesen Namen zu tragen und nach außen zu zeigen, dass wir uns auch die Gegnerschaft derjenigen gerne auf uns ziehen, die einen menschenwürdigeren Gesellschaftsentwurf zutiefst ablehnen.