Donnerstag, 30. November 2006 @ 22:50
Im Rahmen des 6. Politi-Film-Festivals präsentierte das Leokino am 29. November
den Film "Der Kommunist" über Ernest Kaltenegger und den steirischen
Landtagswahl-Kampf 2005, der den von der ÖVP gefürchteten ersten Roten Oktober
des 21. Jahrtausends in Österreich einleitete... der zweite sollte ein Jahr später
folgen.
Foto: Rosmarie Thüminger (Mitte), Tiroler KPÖ-Spitzenkandidatin zur Nationalratswahl 2006 erklärte ihre Beweggründe dafür, bereits seit 1972 in der KPÖ-Tirol zu sein.

Wer aufgrund des Filmtitels ein photorealistisches Porträt des "soziokulturellen Phänomens Ernest Kaltenegger" erwartete, wurde enttäuscht. Regisseur Marc Bauder zauberte stattdessen ein stimmungsvolles bisweilen sehr humorvolles, aber auch viele Fragen offen lassendes Mosaik über die steirischen KPÖ und den steirischen Landtagswahlkampf 2005 auf die Leinwand. Im Anschluss an die Filmpräsentation im Innsbrucker Leokino diskutierten der Kameramann Börres Weiffenbach, Andreas Wabl (langjähriger steirischer Nationalrat der Grünen) und der Regisseur Kurt Palm (dritter Kandidat der KPÖ-Bundesliste zur Nationalratswahl 2006) unter der Moderation des ORF-Journalisten Markus Sommersacher vor den ca. 150 Besuchern über den Film und das Phänomen Kaltenegger.
Grüne Sündenfälle
Andreas Wabl erzählte z.B. von den Problemen der Grünen in der Steiermark, die
bei der Landtagswahl 2005 von der KPÖ überholt wurden und überhaupt nur ganz
knapp den Wiedereinzug in den Landtag geschafft hatten, nachdem sich nach den
Grazer Gemeinderatswahlen 2003 schon einige Grünfunktionäre im KPÖ-Gemeinderatsklub
wieder gefunden hatten: "Wir haben da extrem viele Fehler gemacht. ...wir
haben zum Teil einfach geschlafen ... das war der Sündenfall."
Zweispältige KPÖ
Die Diskussion thematisierte dann aber vor allem den zwiespältigen Eindruck,
den der Film gleichwie die derzeitige KPÖ bieten. So meinte Wabl etwa: "Die
Partei ist schlecht organisiert, da sind Widersprüche zuhauf, aber der
Kaltenegger ist ein glaubwürdiger Mensch." Für Kurt Palm wird diese Schwäche
vor allem auch in den Wahlergebnissen sichtbar: Grazer Gemeinderatswahl 2003 -
20,9 Prozent, steirische Landtagswahl 2005 - 6,3 Prozent, Nationalratswahl 2006
- 1, 01 Prozent.
Der allgemeine Grundtenor lautet also, dass da zwar ehrliche Menschen am Werk
seien, allen voran Kaltenegger selbst, aber leider auf verlorenem Posten, bei
der falschen Partei, mit einer erheblichen Hypothek im Rucksack, etc. Abgesehen
von Ernest Kalteneggers Charisma und Integrität vermittle die Partei nach außen
einmal mehr den Eindruck, eher mit sich selbst als mit den Themen beschäftigt
zu sein, die auch im zeitgenössischen Tirol geradezu auf der "Straße
liegen" würden.
Themen von der
Straße aufgreifen
Sommersacher sprach hier für Tirol besonders die AMS-Kürzungen einiger ausgewählter
Sozialvereine an, und wusste scheinbar noch nicht, dass hier gerade auch die
Tiroler KPÖ-Aktivisten sehr aktiv am Ball sind: so sind gleich mehrere
KommunistInnen im überparteilichen Personenkomitee Solidarität und Soziale
Sicherheit vertreten, das sich spontan gegen die Kürzungen gebildet hatte
und das derzeit Unterschriften für eine parlamentarische Petition sammelt.
Im Publikum waren auch einige Funktionäre und Mitglieder der Tiroler KPÖ
anwesend, die schon vor der Veranstaltung Flugzettel verteilten und sich in der
Diskussion eifrig zu Wort meldeten - vor allem auch mit der Kritik, von den
Veranstaltern nicht explizit eingeladen worden zu sein. Man begründete dies übrigens
damit, dass seit Beginn des Polit-Film-Festivals bewusst keine politisch Aktiven
ans Podium geladen wurden. Wie auch immer: auch nach dem Veranstaltungs-Ende
wurde im Kinofoyer noch fleißig weiterdiskutiert. Für
die Tiroler KPÖ war diese Veranstaltung alles in allem eine höchst willkommene
Gelegenheit, auch nach dem Wahlkampf ein kräftiges Lebenszeichen von sich zu
geben.
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