Mittwoch, 9. Januar 2013 @ 15:43

Letztlich konnte man aber trotzdem fast schon glauben, dass jetzt endlich in Tirol eine schon längst überfällige Bewegung in die überteuerte Tarifpolitik des Öffentlichen Verkehrs käme. Doch aufgepasst, meine Damen und Herren, für den Rest der Bevölkerung hat unser „Big Boss“ nur einen üblen Scherz zur Verfügung. Jene, die für die Fahrt zur Arbeit ohnehin schon unentgeltlich ihre eigene Zeit investieren müssen, sollen jetzt wie gewohnt noch kräftiger dafür „blechen“: Der Verkehrsverbund Tirol (VVT) erhöht die Preise für Einzelkarten um zwei Prozent und für Wochen-, Monats- und Jahrestickets sogar um 2,2 Prozent! (Anm.: Die AK Tirol befürchtet, dass bei Kurzstrecken die Teuerung sogar noch höher ausfallen könnte und verweist dabei auf das vergangene Jahr, wo die durchschnittliche Erhöhung bei rund 3 Prozent lag und einzelne Strecken sogar um bis zu 4,7 (!) Prozent teurer wurden.)
Und was macht „unser“ Steixner ? Er schaut diesem bösen Spiel logischerweise kommentarlos zu, und tut das, was er am besten kann, nämlich rechnen: Dieses Wahlzuckerl „Seniorenticket“ muss natürlich gegenfinanziert werden! Und warum nicht mit einer Tariferhöhung zu Lasten der arbeitenden Bevölkerung?
Die Landtagswahl naht, und die SeniorInnen sind für die Schwarzen ein attraktives Wählerpotential. Die ArbeiterInnen und Angestellten dagegen sind für diese sogenannte „Volks“-Partei und deren Geldhähne traditionell nur ein „vernachlässigbarer“ Posten und die StudentInnen gelten für diesen Machtverein ohnehin nur als „grün-rotes Chaoten-G'sindl“, das frecherweise dem tirolerischen Machtfilz noch kritisch gegenüber steht...
Denkanstoß: Übrigens, wie wär's damit, sich ein Beispiel am vielfach geschmähten „Wiener Wasserkopf“ zu nehmen. Dort gibt es nämlich für ALLE WienerInnen eine Netzkarte um nur 1 Euro pro Tag!!!
Für Tirol nicht finanzierbar, Herr Steixner? Ein Euro für jede Tonne Straßen-Transit wäre wohl bezahlbar? Auf der Brenner-Route fahren beispielsweise jährlich 1,8 Millionen LKWs. Berechnet man eine durchschnittliche Beladung mit bloß 10 Tonnen, wären dies schon jährlich 18 Millionen Euro für den öffentlichen Verkehr. (Anm.: Ein Beitrag von 10 Euro / LKW würde wohl kein gesundes Unternehmen.in den finanziellen Abgrund treiben, Herr „Möchtegern-Berlusconi“?)
Josef Stingl ist Bundesvorsitzender des Gewerkschaftlichen Linksblock im ÖGB (GLB)