Samstag, 22. Dezember 2012 @ 09:37

Bei unserem Gratulationsreigen vergessen wir natürlich auch nicht den Tiroler Wirtschaftskammerpräsidenten Jürgen Bodenseer! Sein Klientel ist verantwortlich, dass Tirol laut dem neuen Einkommensbericht 2012[*2] des Rechnungshofes mit einem mittleren Bruttojahreseinkommen von 22.955 Euro den ersten Platz bei den Niedrigsteinkommen und Hungerlöhnen belegt – dicht gefolgt von Salzburg und Wien, deren Lebenshaltungskosten allerdings wesentlich geringer sind. (Anm.: Die Wirtschaftskammer wird wieder einmal meinen, dass diese Zahlen nicht stimmen, da darin zahlreiche Teilzeitbeschäftigte enthalten sind. In Absehung dieser rechnerisch korrekten Gleichverteilung besitzen diese Teilzeitbeschäftigen die Untugend, in ihrer, meist notgedrungenen Lebenssituation halt auch wohnen, essen und trinken zu wollen. Wahrscheinlich genauso wie sie, Herr Bodenseer ?!)
Ein Sonderapplaus gebührt sicherlich auch unserer Gewerkschaft und dem Tiroler Gewerkschaftsboss Otto Leist! Glaubte er doch in einer Presseerklärung[*3] , dass trotz massiven Gegenwindes von Seiten der Unternehmerschaft „sozial vertretbare KV-Abschlüsse“ erzielt werden konnten, und diese darüber hinaus noch die Kaufkraft stärken würden. Unerwähnt blieb dabei natürlich, dass diese Abschlüsse netto unter den Preissteigerungsraten für Wohnen, Lebensmitteln und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs, also unter der Inflationsrate liegen. (Anm.: Laut des oben genannten Rechnungshofsberichts 2012 sind die Realeinkommen, und die damit verbundene Kaufkraft der unteren Einkommensschicht (=25% der Bevölkerung) in den vergangenen 14 Jahren um mehr als 15 Prozent gesunken.)
Der nötige Beifall gehört natürlich auch der neuen Innsbrucker SPÖ-Chefin Gabi Schiessling, die das Tiroler Gesundheitssystem „gut, aber trotzdem reformbedürtig“[*4] findet. Deswegen hat man sich bis zum Jahr 2016 auf ein „ Kostendämpfungspotenzial“ von insgesamt 3,43 Milliarden Euro geeinigt. In Tirol soll beispielsweise durch eine Kostenreduzierung von rund 55 Millionen Euro bei der Spitalsfinanzierung in wundersamer Manier – ganz im Stile der Quadratur des Kreises – obendrein noch ein „Mehr an Gesundheit“ geschaffen werden...
(PS: Wo es GratulantInnen gibt, gibt es in unserer Gesellschaft meist auch VerliererInnen. Das wären in diesem Falle nämlich jene immer zahlreicher werdenden Tirolerinnen und Tiroler, die mit ihrem ohnehin geringen Einkommen Höchst-Preise für örtliche Lebenskosten bezahlen müssen. Aber das ist eine andere Geschichte, u.a. zu finden d in der offiziellen Armuts- und Reichtumstudie der Landes Tirol...)
Josef Stingl ist Bundesvorsitzender des Gewerkschaftlichen Linksblock im ÖGB